Lange war die Rechnung einfach: Wer als digitaler Nomade nach Portugal zog, zahlte dank NHR zehn Jahre lang wenig oder gar keine Steuern auf Auslandseinkommen und lebte dafür in einem der schönsten Länder Europas. Diese Rechnung geht für digitale Nomaden in Portugal nicht mehr auf. Das NHR-Regime ist für Neuzuzügler geschlossen, die Mieten in Lissabon sind stark gestiegen und das neue Staatsangehörigkeitsrecht verlängert den Weg zum portugiesischen Pass deutlich.
Lohnt sich Portugal trotzdem noch? Für manche ja, für andere eindeutig nicht. In diesem Beitrag erfährst du, was du als Deutscher wirklich brauchst (Spoiler: kein Visum), wie das D8-Visum für Nicht-EU-Bürger funktioniert, wie Portugal dich nach dem NHR-Aus besteuert, für wen IRS Jovem ein echter Vorteil ist und was der Mietmarkt in Lissabon für dein Budget bedeutet.
Portugal nach dem NHR-Aus: Was sich für digitale Nomaden geändert hat
Kurz gesagt: Portugal ist vom Steuerparadies für fast alle Zuzügler zu einem normalen Hochsteuerland mit wenigen gezielten Ausnahmen geworden. Attraktiv bleibt es vor allem für Menschen unter 35, für Freelancer in den ersten zwei Jahren und für alle, denen Lebensqualität, Klima und Community wichtiger sind als die Steuerquote.
Thema | Früher | Heute (Stand November 2026) |
|---|---|---|
Steuerregime für Zuzügler | NHR: 10 Jahre 20 % auf bestimmte Inlandseinkünfte, viele Auslandseinkünfte steuerfrei | NHR geschlossen; IFICI nur für Forschung, Startups, Exportfirmen und bestimmte Berufe |
Steuer auf Einkommen für die meisten Nomaden | Oft nahe null | Normaler IRS-Tarif von 12,5 % bis 48 %, unter 35 Jahren Entlastung durch IRS Jovem |
Mindesteinkommen D8-Visum (nur Nicht-EU) | 4 × Mindestlohn (2023: 3.040 €) | 4 × Mindestlohn: 3.680 € (2026), voraussichtlich 3.880 € ab 2027 |
Einbürgerung (Wartezeit) | 5 Jahre, gezählt ab dem Antrag auf Aufenthalt | 10 Jahre (Nicht-EU), 7 Jahre (EU und portugiesischsprachige Länder) |
Mieten Lissabon (neue Verträge, Median) | Deutlich niedriger | 17,42 €/m² im 1. Quartal 2026 (INE) |
Der Mindestlohn 2023 lag bei 760 €, daher die 3.040 €. Wie Portugal Zuzügler früher und heute besteuert, ordnet auch unser Ratgeber Steuern für digitale Nomaden ein.
Brauchst du als Deutscher ein Digital Nomad Visa für Portugal?
Nein. Als deutscher Staatsbürger (genauso als Österreicher oder Schweizer) hast du Freizügigkeit. Du darfst ohne Visum nach Portugal ziehen, dort wohnen, angestellt oder selbstständig arbeiten. Das Digital Nomad Visa (Visum D8) ist ausschließlich für Staatsangehörige von Ländern außerhalb der EU, des EWR und der Schweiz gedacht.
Bleibst du länger als drei Monate, beantragst du bei der Câmara Municipal (Gemeindeverwaltung) deines Wohnorts die Registrierungsbescheinigung für EU-Bürger, das Certificado de Registo de Cidadão da União Europeia (CRUE). So beschreibt es die Migrationsbehörde AIMA.
- Innerhalb der ersten drei Monate: Steuernummer (NIF) beantragen und eine Wohnung finden. Die NIF brauchst du für Mietvertrag, Bankkonto und Handyvertrag.
- Spätestens 30 Tage nach Ablauf der drei Monate: CRUE bei der Câmara Municipal beantragen. Die Gebühr beträgt laut Behördenportal gov.pt 15 € (7,50 € für Kinder unter 6 Jahren).
- Nicht vergessen: Wer länger als drei Monate ohne Registrierung bleibt, riskiert laut dem Leitfaden „Residir em Portugal“ ein Bußgeld von 400 bis 1.500 €.
- In Deutschland: Ziehst du dauerhaft um, meldest du dich beim Bürgeramt ab. Wie die Abmeldung von Deutschland nach Portugal abläuft, liest du im Beitrag Aus Deutschland abmelden.
Das D8-Visum für Nicht-EU-Bürger: Voraussetzungen 2026
Das portugiesische Visum für digitale Nomaden heißt offiziell „Visum für die Ausübung einer ortsunabhängig erbrachten beruflichen Tätigkeit“. Es ist seit Oktober 2022 im Ausländergesetz (Lei n.º 23/2007) verankert und richtet sich an Remote-Angestellte und Freelancer, die für Arbeitgeber oder Kunden mit Sitz außerhalb Portugals arbeiten. Anders als beim D7-Visum für passive Einkünfte (Renten, Mieten, Dividenden) musst du also aktiv arbeiten.
Mindesteinkommen: viermal der portugiesische Mindestlohn
Du musst ein durchschnittliches Monatseinkommen der letzten drei Monate von mindestens dem Vierfachen des Mindestlohns (Retribuição Mínima Mensal Garantida, RMMG) nachweisen, so die Antrags-Checkliste der portugiesischen Visastelle. Weil der Mindestlohn jedes Jahr steigt, steigt auch die Schwelle:
Jahr | Mindestlohn (RMMG) | Mindesteinkommen D8 pro Monat | pro Jahr |
|---|---|---|---|
2025 | 870 € | 3.480 € | 41.760 € |
2026 | 920 € | 3.680 € | 44.160 € |
2027 (voraussichtlich) | 970 € | 3.880 € | 46.560 € |
Die 970 € für 2027 stehen im Sozialpakt der Regierung und im Haushaltsentwurf 2027, sind aber noch nicht per Gesetzesdekret festgelegt. Stellst du deinen Antrag um den Jahreswechsel, rechne vorsichtshalber mit der höheren Schwelle.
Weitere typische Nachweise: Arbeits- oder Dienstleistungsvertrag mit einem Unternehmen außerhalb Portugals, Nachweis der Steueransässigkeit, Kontoauszüge, Unterkunft in Portugal, Reisekrankenversicherung und ein Führungszeugnis. Für mitreisende Partner und Kinder verlangen die Konsulate höhere Einkommen und häufig Rücklagen auf einem portugiesischen Konto. Die Höhe unterscheidet sich je nach Auslandsvertretung, frag deshalb direkt dort nach.
Temporäres Visum oder Residenzvisum?
Visum für vorübergehenden Aufenthalt | Residenzvisum | |
|---|---|---|
Dauer | Bis zu 1 Jahr | 4 Monate, danach Aufenthaltstitel für 2 Jahre, verlängerbar um 3 Jahre |
Aufenthaltskarte bei der AIMA | Nicht nötig | Ja, Termin mit Biometrie in Portugal |
Weg zu Daueraufenthalt und Einbürgerung | Nein | Ja |
Geeignet für | Ausprobieren, eine Saison in Portugal | Dauerhaften Umzug |
Die Laufzeiten des Aufenthaltstitels beschreibt die AIMA auf ihrer Seite zum D8-Aufenthaltstitel.
Anwesenheitspflicht: Das Residenzvisum passt nicht zu Dauerreisenden
Mit dem Aufenthaltstitel darfst du Portugal nicht beliebig lange verlassen. Nach Art. 85 Abs. 2 des Ausländergesetzes (Lei n.º 23/2007) kann ein befristeter Titel widerrufen werden, wenn du während seiner Gültigkeit mehr als sechs Monate am Stück oder acht Monate insgesamt abwesend bist. Bei einem Titel über zwei Jahre heißt das: mindestens 16 Monate in Portugal. Damit wirst du dort in aller Regel steuerlich ansässig, mehr dazu im Steuerteil.
Bearbeitungszeit bei der AIMA
Die Migrationsbehörde AIMA hatte über Jahre große Rückstände, Wartezeiten auf Biometrie-Termine von mehreren Monaten waren üblich. Seit der Reform durch die Lei n.º 61/2025 muss die AIMA über Aufenthaltsanträge innerhalb von neun Monaten entscheiden, in Ausnahmefällen auch später (Überblick der Kanzlei M|B Advogados). Plane den Umzug deshalb mit Puffer und kümmere dich früh um Termine.
Einbürgerung: jetzt 10 Jahre statt 5
Das größte Argument für das D8-Visum war lange der schnelle Weg zum EU-Pass: fünf Jahre legaler Aufenthalt, gezählt ab dem Antrag. Das gilt nicht mehr. Seit dem 19. Mai 2026 gilt die Lei Orgânica n.º 1/2026. Die Mindestaufenthaltsdauer für die Einbürgerung beträgt jetzt zehn Jahre für Staatsangehörige von Nicht-EU-Ländern und sieben Jahre für Bürger der EU und portugiesischsprachiger Länder, so das portugiesische Justizministerium. Die Regel, nach der die Wartezeit schon mit dem Antrag auf den Aufenthaltstitel begann, wurde laut Fachanwälten gestrichen. Sie gilt nur noch für Einbürgerungsanträge, die am 19. Mai 2026 schon liefen.
Steuern in Portugal nach dem NHR-Aus
Bist du mehr als 183 Tage im Jahr in Portugal oder hast dort eine Wohnung, die du als ständigen Wohnsitz nutzt, bist du in Portugal unbeschränkt steuerpflichtig mit deinem Welteinkommen (Art. 16 CIRS). Das betrifft alle, die mit CRUE oder D8-Residenzvisum dauerhaft dort leben.
Was war NHR, und wer behält es?
Das Regime für Personen ohne gewöhnlichen Aufenthalt (Residente Não Habitual, NHR) gab Zuzüglern zehn Jahre lang einen Pauschalsatz von 20 % auf bestimmte portugiesische Arbeitseinkommen und stellte viele Auslandseinkünfte steuerfrei. Mit dem Haushaltsgesetz 2024 (Lei n.º 82/2023) wurde es für neue Anträge geschlossen. Nach der Übergangsregel in Art. 236 behalten es nur Personen, die bis Ende 2023 schon als NHR registriert waren oder die Voraussetzungen erfüllten, bis zum Ende ihrer zehn Jahre. Das erklärt der Praxisleitfaden der portugiesischen Steuerberaterkammer OCC. Ziehst du heute zu, steht dir NHR nicht mehr offen.
IFICI („NHR 2.0“): für wen das neue Regime gilt
Der Nachfolger heißt Incentivo Fiscal à Investigação Científica e Inovação (IFICI) und wird oft „NHR 2.0“ genannt. Er bietet wieder zehn Jahre lang 20 % auf begünstigte Arbeitseinkommen und Steuerfreiheit für bestimmte Auslandseinkünfte, aber nur für eng definierte Tätigkeiten (Art. 58-A Steuervergünstigungsgesetz EBF, Details in der Portaria n.º 352/2024; Überblick im Merkblatt der Steuerverwaltung):
- Lehre an Hochschulen und wissenschaftliche Forschung
- Arbeit in zertifizierten Forschungs- und Entwicklungszentren und in Startups, die Startup Portugal zertifiziert hat
- Hochqualifizierte Berufe in Unternehmen, die zum Beispiel mindestens 50 % ihres Umsatzes im Export machen
- Weitere Fälle mit Förderung durch staatliche Investitionsagenturen
- Voraussetzung in allen Fällen: In den fünf Jahren davor warst du nicht in Portugal steuerlich ansässig
Für die meisten digitalen Nomaden ist IFICI keine Option. Das Regime setzt fast immer einen Arbeitgeber oder Auftraggeber in Portugal voraus, der die Bedingungen erfüllt. Als Remote-Angestellter einer deutschen Firma oder als Freelancer mit Kunden weltweit erfüllst du die Kriterien in der Regel nicht. Theoretisch bleibt der Weg über eine eigene portugiesische Gesellschaft mit Startup- oder Exportzertifizierung. Für Einzelpersonen lohnt sich dieser Aufwand nur selten.
Der normale Einkommensteuertarif (IRS) 2026
Ohne Sonderregime zahlst du den normalen progressiven IRS-Tarif nach Art. 68 CIRS. Für 2026 wurden die Grenzen um 3,51 % angehoben und die Sätze der 2. bis 5. Stufe um 0,3 Prozentpunkte gesenkt. Es gilt (Festland):
Zu versteuerndes Einkommen pro Jahr | Grenzsteuersatz |
|---|---|
bis 8.342 € | 12,5 % |
8.342 € bis 12.587 € | 15,7 % |
12.587 € bis 17.838 € | 21,2 % |
17.838 € bis 23.089 € | 24,1 % |
23.089 € bis 29.397 € | 31,1 % |
29.397 € bis 43.090 € | 34,9 % |
43.090 € bis 46.566 € | 43,1 % |
46.566 € bis 86.634 € | 44,6 % |
über 86.634 € | 48 % |
Dazu kommt ab 80.000 € ein Solidaritätszuschlag (Taxa Adicional de Solidariedade) von 2,5 %, ab 250.000 € von 5 % (Art. 68-A CIRS). Auf Madeira und den Azoren gelten eigene, niedrigere Sätze. Zum Vergleich: In Deutschland greift der Spitzensteuersatz von 42 % nach § 32a EStG erst bei deutlich höheren Einkommen. Portugal ist für mittlere Einkommen ohne Sonderregime also kein Steuersparmodell.
Freelancer: das vereinfachte Regime (Regime simplificado)
Selbstständige mit Einkünften der Kategorie B fallen bis 200.000 € Umsatz im Jahr automatisch unter das Regime simplificado (Art. 31 CIRS). Besteuert wird nicht dein tatsächlicher Gewinn, sondern ein fester Anteil deines Umsatzes. Für freiberufliche Dienstleistungen aus der Berufsliste (Art. 151 CIRS) sind das 75 %. Ein Teil davon (15 % des Umsatzes) muss durch echte Ausgaben belegt sein, die über das Rechnungsportal e-Fatura erfasst sind, sonst steigt der steuerpflichtige Anteil.
Für Gründer gibt es einen Rabatt auf diesen Koeffizienten: minus 50 % im ersten und minus 25 % im zweiten Jahr der Tätigkeit. Das ergibt zum Beispiel bei 50.000 € Umsatz (eigene Rechnung, Koeffizient 0,75, Ausgaben belegt):
Tätigkeitsjahr | Steuerpflichtiger Anteil | Steuerpflichtig bei 50.000 € Umsatz |
|---|---|---|
1. Jahr | 37,5 % | 18.750 € |
2. Jahr | 56,25 % | 28.125 € |
ab 3. Jahr | 75 % | 37.500 € |
Auf 37.500 € fallen nach dem Tarif 2026 rund 8.900 € IRS an, vor persönlichen Abzügen (eigene Rechnung). Das sind knapp 18 % des Umsatzes.
Sozialversicherung (Segurança Social)
Selbstständige zahlen in der Regel 21,4 % Beitrag auf 70 % des Einkommens aus Dienstleistungen, berechnet jedes Quartal (laut Doutor Finanças). Wer sich zum ersten Mal als Selbstständiger in Portugal anmeldet, ist zwölf Monate lang beitragsfrei, wie die Caixa Geral de Depósitos erklärt. Bei 50.000 € Umsatz sind das ab dem zweiten Jahr etwa 7.490 € im Jahr (eigene Rechnung).
Bist du bei einer deutschen Firma angestellt und arbeitest nur vorübergehend aus Portugal, bleibst du nach der EU-Verordnung 883/2004 unter Umständen in der deutschen Sozialversicherung. Dafür braucht dein Arbeitgeber eine A1-Bescheinigung. Bei einem dauerhaften Umzug wechselst du in der Regel ins portugiesische System, und dein Arbeitgeber muss sich dort anmelden oder über einen Dienstleister abrechnen (Employer of Record).
IRS Jovem: der große Vorteil für alle unter 35
Das stärkste Argument für Portugal ist heute IRS Jovem (Art. 12-B CIRS). Seit 2025 gilt es ohne Studienabschluss, für zehn Jahre und auch für Zuzügler. Voraussetzungen: Du bist höchstens 35 Jahre alt, in Portugal steuerlich ansässig und hast nie NHR oder IFICI genutzt. Befreit sind Arbeitseinkommen aus Anstellung (Kategorie A) und Selbstständigkeit (Kategorie B) bis zum 55-Fachen des Sozialindex IAS, 2026 also bis 29.542,15 € pro Jahr (Überblick der Verbraucherorganisation DECO).
Jahr | Steuerfreier Anteil | Höchstbetrag 2026 |
|---|---|---|
1. Jahr | 100 % | bis 29.542,15 € |
2. bis 4. Jahr | 75 % | bis 29.542,15 € |
5. bis 7. Jahr | 50 % | bis 29.542,15 € |
8. bis 10. Jahr | 25 % | bis 29.542,15 € |
Für junge Freelancer im ersten Jahr kann das zusammen mit dem Gründer-Rabatt im Regime simplificado und der Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung bedeuten, dass sie im ersten Jahr kaum Steuern und Abgaben zahlen. Wie viel genau, hängt stark vom Einzelfall ab.
Und Deutschland? Abmeldung und Doppelbesteuerung
Ziehst du nach Portugal, endet deine deutsche unbeschränkte Steuerpflicht erst, wenn du in Deutschland keinen Wohnsitz und keinen gewöhnlichen Aufenthalt mehr hast. Eine möblierte Wohnung oder das alte Zimmer bei den Eltern reicht, um weiter in Deutschland steuerpflichtig zu bleiben. Was danach gilt, erklärt unser Beitrag zur beschränkten Steuerpflicht. Wer in beiden Ländern besteuern darf, regelt das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Portugal von 1980.
Mietmarktkrise in Lissabon: Was Wohnen kostet
Die Mieten in Portugal steigen seit Jahren deutlich schneller als die Löhne. Nach Daten des Statistikamts INE lag die Medianmiete für neue Mietverträge im Stadtgebiet Lissabon im 1. Quartal 2026 bei 17,42 € pro m², in der Region Großlissabon bei 14,38 € (INE-Daten, zusammengefasst von idealista). Im 2. Quartal 2026 stiegen die Mieten neuer Verträge landesweit um 10,2 % gegenüber dem Vorjahr auf 10,17 € pro m², in Großlissabon auf 15,24 € (Dinheiro Vivo).
Rechenbeispiel: Eine 50-m²-Wohnung zum Medianpreis im Stadtgebiet Lissabon kostet rund 870 € kalt im Monat (eigene Rechnung). Das ist ein Mittelwert über die ganze Stadt. In zentralen Vierteln und bei möblierten Wohnungen, die Nomaden meist suchen, liegen die Angebotspreise in Inseraten deutlich darüber. Zum Vergleich: Der portugiesische Mindestlohn liegt 2026 bei 920 € brutto.
Die Kluft zwischen ausländischen Einkommen und lokalen Löhnen ist ein politisches Thema geworden. In Lissabon und Porto gab es mehrfach große Demonstrationen für bezahlbaren Wohnraum, etwa von der Bewegung Casa para Viver. Als Nomade solltest du das wissen und dich nicht wundern, wenn kurzfristige Ferienvermietungen und Expat-Viertel kritisch gesehen werden.
Alternativen zu Lissabon
- Porto: zweitgrößte Stadt mit großer Startup- und Nomaden-Szene, Mieten etwas niedriger als in Lissabon, aber ebenfalls stark gestiegen.
- Braga und Guimarães: Universitätsstädte im Norden mit guter Glasfaser, deutlich ruhiger und günstiger als die beiden Metropolen.
- Coimbra und das Landesinnere: niedrige Wohnkosten, dafür weniger internationale Community. Ohne Portugiesisch wird der Alltag schwieriger.
- Madeira (Funchal, Ponta do Sol): etablierte Anlaufstelle für digitale Nomaden mit Coworking-Spaces und eigener Community, dazu niedrigere regionale IRS-Sätze. Auch in Funchal ziehen die Mieten an.
Wie du unterwegs gute Langzeitunterkünfte findest, zeigt unser Beitrag zu Unterkünften für digitale Nomaden. Kontakte zu anderen Nomaden in Lissabon und auf Madeira findest du über die Wege aus unserem Beitrag zu Events und Communities.
Krankenversicherung in Portugal für Deutsche
Wie du dich versicherst, hängt davon ab, wo du sozialversichert bist:
- In Portugal sozialversichert (selbstständig oder bei einem portugiesischen Arbeitgeber): Du hast Zugang zum staatlichen Gesundheitsdienst SNS. Wegen langer Wartezeiten ergänzen viele Zuzügler eine private Versicherung.
- In Deutschland versichert (z. B. Angestellte mit A1-Bescheinigung): Du bleibst in deiner deutschen Krankenkasse und nutzt die Leistungen in Portugal über die europäische Krankenversicherungskarte oder ein S1-Formular, das du bei der Krankenkasse beantragst.
- Nur ein paar Monate in Portugal, danach weiter: Hier passt meist eine internationale Krankenversicherung für digitale Nomaden.
Für wen lohnt sich Portugal noch?
Profil | Lohnt sich Portugal? | Warum |
|---|---|---|
Freelancer unter 35, gerade selbstständig | Ja | IRS Jovem, Gründer-Rabatt im Regime simplificado und zwölf Monate ohne Sozialbeiträge |
Angestellte unter 35 mit wenigen Berufsjahren | Eher ja | IRS Jovem greift noch mit hohem Prozentsatz, prüfen, in welchem Jahr du startest |
Gutverdiener über 35 (ab etwa 80.000 € im Jahr) | Steuerlich nein | Kein NHR, kein IRS Jovem, IFICI meist nicht erreichbar; Spitzensatz 48 % plus Solidaritätszuschlag |
Dauerreisende ohne festen Wohnort | Nein (als Wohnsitz) | Das D8-Residenzvisum verlangt mindestens 16 Monate in zwei Jahren; als EU-Bürger kannst du aber jederzeit ein paar Monate in Portugal verbringen |
Nicht-EU-Bürger mit Ziel EU-Pass | Weniger als früher | Einbürgerung jetzt erst nach zehn Jahren |
Menschen mit Fokus auf Lebensqualität | Ja | Klima, Sicherheit, Community, gute Flugverbindungen und Glasfaser bleiben, aber zu höheren Kosten als früher |
Portugal steuerlich durchrechnen lassen
Christoph Heuermann von staatenlos.ch berät seit Jahren zu Auswanderung, Wohnsitz und Steuern. Lass prüfen, ob Portugal mit IRS Jovem oder als Freelancer für dich aufgeht oder ob ein anderes Land besser passt.
Fazit: Portugal ist kein Steuerparadies mehr, aber nicht für alle schlechter
Für digitale Nomaden hat Portugal seinen Sonderstatus verloren. NHR ist für Neuzuzügler Geschichte, IFICI erreicht kaum einen Remote-Worker, der normale Tarif steigt schnell auf über 40 %. Dazu kommen Mieten, die in Lissabon kaum noch zu lokalen Löhnen passen, und ein Staatsangehörigkeitsrecht, das den EU-Pass für Nicht-EU-Bürger in weite Ferne rückt. Wer dagegen jung ist, sich gerade selbstständig macht oder vor allem wegen Lebensqualität kommt, findet in Portugal weiterhin ein sehr gutes Gesamtpaket.
Deine nächsten Schritte:
- Kläre deinen Status: Als EU-Bürger brauchst du nur das CRUE bei der Gemeinde, als Nicht-EU-Bürger das D8-Visum beim Konsulat
- Rechne IRS Jovem für dich aus: In welchem Jahr deines Arbeitslebens bist du, wie viel Prozent bleiben steuerfrei?
- Als Freelancer: Umsatz, Koeffizient und Sozialversicherung für die ersten drei Jahre durchrechnen, inklusive Rabatt im ersten und zweiten Jahr
- Teste die Stadt vor dem Umzug ein bis zwei Monate und vergleiche Mieten in Lissabon, Porto, Braga und auf Madeira
- Kündige in Deutschland alle Wohnungen und melde dich ab (Checkliste), damit du nicht in beiden Ländern steuerpflichtig bleibst
- Bei Firmenanteilen, Immobilien oder Einkommen über 80.000 €: Beratung buchen und Alternativen im Auswanderer-Lexikon vergleichen
Für Konto und Karten nach dem Umzug hilft dir unser Bankkonto-Vergleich.
Häufige Fragen zu Portugal für digitale Nomaden
Nein. Als EU-Bürger darfst du ohne Visum in Portugal leben und arbeiten. Bleibst du länger als drei Monate, beantragst du innerhalb von 30 Tagen danach bei der Gemeindeverwaltung (Câmara Municipal) die Registrierungsbescheinigung CRUE. Sie kostet 15 €.
Du musst das Vierfache des portugiesischen Mindestlohns verdienen. 2026 sind das 3.680 € brutto im Monat (4 × 920 €). Steigt der Mindestlohn 2027 wie geplant auf 970 €, sind es 3.880 €. Das Visum gilt nur für Nicht-EU-Bürger.
Nur für Bestandsfälle. Wer bis Ende 2023 registriert war oder die Voraussetzungen erfüllte, behält NHR bis zum Ende seiner zehn Jahre. Neuzuzügler können es seit 2024 nicht mehr beantragen.
IFICI ist der Nachfolger von NHR: zehn Jahre 20 % Steuer auf begünstigte Arbeitseinkommen. Es gilt aber nur für Forschung, Lehre, zertifizierte Startups, Exportunternehmen und bestimmte hochqualifizierte Berufe, fast immer mit Bezug zu einem Arbeitgeber in Portugal. Remote-Angestellte ausländischer Firmen und Freelancer mit Kunden im Ausland erfüllen die Bedingungen meist nicht.
Ohne Sonderregime gilt der progressive IRS-Tarif 2026 von 12,5 % bis 48 %, ab 80.000 € zusätzlich ein Solidaritätszuschlag. Freelancer im Regime simplificado versteuern in der Regel 75 % ihres Umsatzes, in den ersten beiden Jahren weniger. Unter 35 Jahren kann IRS Jovem bis zu 29.542,15 € im Jahr ganz oder teilweise steuerfrei stellen.
Ja, wenn du höchstens 35 Jahre alt bist, in Portugal steuerlich ansässig bist und nie NHR oder IFICI genutzt hast. Die zehn Jahre zählen laut Steuerverwaltung aber ab deinem ersten Jahr mit Arbeitseinkommen, auch wenn es im Ausland war.
Neue Mietverträge im Stadtgebiet Lissabon kosteten im 1. Quartal 2026 im Median 17,42 € pro m² (INE). Für 50 m² sind das rund 870 € kalt. Möblierte Wohnungen in zentralen Vierteln sind deutlich teurer.
Seit dem 19. Mai 2026 brauchen Nicht-EU-Bürger zehn Jahre legalen Aufenthalt, EU-Bürger und Bürger portugiesischsprachiger Länder sieben Jahre. Früher waren es fünf Jahre für alle.
Nur eingeschränkt. Mit dem befristeten Aufenthaltstitel darfst du nicht mehr als sechs Monate am Stück oder acht Monate insgesamt während seiner Gültigkeit abwesend sein, sonst kann er widerrufen werden. Für Dauerreisende passt das Residenzvisum deshalb nicht.
Für viele ja: Madeira hat eine etablierte Nomaden-Community, Coworking-Spaces und niedrigere regionale Einkommensteuersätze als das Festland. Die Mieten in Funchal steigen allerdings ebenfalls.
